Nein, beim SAPHO-Syndrom dreht es sich nicht um die griechische Dichterin der Antike . Die einzelnen Buchstaben stehen für eine Ansammlung verschiedener Erkrankungen, die zu einem Symptomenkomplex zusammen gefasst werden:
-Synovitis - ist eine Entzündung der Innenhaut einer Gelenkkapsel
-Akne - nicht selten als conglobata, eine besonders heftig verlaufende Akne
-Pustulosis Palmae und Plantae, also eitrige Pusteln der Handinnenfläche und/oder
-der Fußsohle
-Hyperostose - krankhaft wuchernde Knochensubstanz, hauptsächlich an der
-Gelenkverbindung von Brustbein und Schlüsselbein
-Osteitis - Knochenentzündung
Die einzelnen Faktoren können, müssen aber nicht zeitgleich auftreten. Gerade dies erschwert die Diagnose beim SAPHO-Syndrom. Ebenso wie die Tatsache, dass viele Ärzte das Syndrom gar nicht oder nur unzureichend kennen. Oft wird eine Arthritis oder Psoriasis-Arthritis diagnostiziert, wobei Arthritis ja durchaus zutrifft, aber eben nicht nur. Charakteristisch aber sind die starken Schmerzen im Bereich des Brustbeines und die nicht immer zur selben Zeit vorhandenen Pusteln. So vergehen mitunter Jahre, bis dann irgendwann einmal die Diagnose feststeht.
Bildgebende Verfahren wie die Skelettszintigraphie und das MRT können hier Klarheit schaffen, Laborbefunde, da die Erkrankung seronegativ verläuft, eher nicht, abgesehen von leicht erhöhten unspezifischen Entzündungsparametern.
Was die Ursachen betrifft gibt es bis jetzt nur Vermutungen. Es wird in Fachkreisen aber diskutiert, dass es sich um eine infektreaktive Arthritis, ausgelöst durch bestimmte Bakterien, die im Zusammenhang mit Akne stehen, handelt. Diese Propioni-Bakterien könnten somit der auslösende Faktor sein.
Prof. Dr. med. F. Schilling kann als Pionier in der Erforschung des Sapho-Syndroms gelten. Seine Empfehlungen hinsichtlich einer erfolgversprechenden Beeinflussung der Erkrankung setzen sich immer mehr durch.
Zum therapeutischen Einsatz kommen zuerst einmal nichtsteroidale antirheumatisch wirkende Wirkstoffe wie z.B. Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Oxicame oder so genannte COX-2-Hemmer . Zudem wird den Patienten geraten, schmerzhafte Belastungen zu vermeiden. Physiotherapeutische Maßnahmen begleiten den gesamten Krankheitsverlauf.
Antibiotika hält Prof. Dr. Schilling auf Grund seiner Erkenntnisse für ungeeignet zur Therapie. Antiphlogistisch wirkende Medikamente dagegen sieht er als eine dauerhafte Möglichkeit.
Ein weiterer therapeutischer Ansatz sind Bisphosphonate, die zum Einsatz kommen, wenn der Einsatz von Calcitonin, einem Protein, das in den C-Zellen („C“ für Calcitonin) der Schilddrüse gebildet wird, keine zufriedenstellende Wirkung zeigt. Als therapeutische Basis-Medikation sieht er das Calcitonin in Kombination mit Azithromycin (wirkt u.a. antibiotisch) und wird häufiger bei Entzündungen verschiedener Art eingesetzt.
Eine Interferontherapie, IFN, sowie der TNF-α-Inhibitor Infliximab bieten sich ebenfalls an. Etanercept nur mit Vorsicht, da dadurch die ohnehin schwere Akne eventuell noch verstärkt wird.
Da diese Erkrankung so vielschichtig ist, sollte die Behandlung immer vom Rheumatologen, Dermatologen und einem Orthopäden gemeinschaftlich erfolgen. Grundsätzlich bestehen gute Aussichten auf eine Ausheilung, besonders jugendliche Patienten haben gute Aussichten einer vollständigen Ausheilung bis zum Ende der Pubertät. Es kann aber in späteren Jahren vorkommen, dass das SAPHO-Syndrom wieder aufflackert. Leider gibt es auch komplizierte Verläufe, die u. U. irreparable Schäden zurücklassen.
Hier finden (vermeintlich) Betroffene und Interessierte viele Tipps und Informationen, Ansprechpartner und “Leidensgenossen” bei der SAPHO-Selbsthilfe
Hier geht es zur Informationsseite von Prof. Dr. med. F. Schilling
Infos auch auf Rheuma-online.de
und auf der Seite von Orpha.net



