Wie chronische Schmerzen entstehen und was man dagegen tun kann




Schmerzen kennen wir fast alle. Aber es soll auch Menschen geben, die sind schon beinahe “unverschämt” gesund und kennen demzufolge (fast) keine Schmerzen. Und es gibt die, die auf Grund einer Störung kein Schmerzempfinden haben. Das klingt auf der einen Seite ja ganz toll, birgt aber einige Risiken in sich. Wer beispielsweise auf eine heiße Herdplatte fasst und den Schmerz nicht spürt wird auch nicht reflexartig die Hand zurückziehen und läuft dadurch Gefahr, ganz gefährliche Verbrennungen zu erleiden.

Der Schmerz ist ja nicht nur lästig, viel wichtiger ist seine Signalwirkung: “Hier stimmt etwas nicht, bitte überprüfen, was da los ist”, oder eben das automatische Zurückzucken, wenn wir uns irgendwie verletzen. Schmerzen sind einfach ganz wichtig, naja, aber nicht wirklich angenehm.

Unser Körper ist von einem engen Netz von Nerven durchzogen. An den Nervenenden sitzen “Sensoren”, die alle Verletzungen, Schäden usw. egal welcher Art, über die Nervenbahnen zum Gehirn schicken, um sie zu melden. Diese Schmerzfühler, Nozizeptoren genannt, sind hoch empfindlich und das Gehirn reagiert reflexartig in Bruchteilen von Sekunden und lässt uns zurückzucken.

Im Normalfall verschwindet der Schmerz wieder, wenn die Ursache gefunden und beseitigt ist. Oft entwickeln sich aus dem sinnvollen, akuten Schmerz aber auch chronische Schmerzen, die, obwohl eigentlich alles wieder in Ordnung ist, uns das Leben manchmal sogar zur Hölle machen können. Von chronischen Schmerzen spricht der Mediziner, wenn der Schmerz zum Dauergast über mehr als drei Monate wird, oder er in regelmäßigen Abständen immer wieder auftaucht.

Eine Erkrankung, bei der die Nerven direkt betroffen sind, ist die Polyneuropathie, die häufig als Sekundär-Erkrankung auftritt, z.B. bei Diabetes-Patienten. Auch eine Trigeminus-Neuralgie (Trigeminus-ein dreiteiliger Gesichtsnerv) kann Menschen in den Wahnsinn treiben. Hier bietet sich ebenfalls eine Schmerztherapie an.

Schmerz entsteht entweder durch äußere Einwirkung oder bedingt durch eine Erkrankung. Und er kann auch dort, wo einmal etwas war, das geschmerzt hat, aber nicht mehr da ist, vorhanden sein. Ich meine den so genannten Phantomschmerz. Hauptsächlich tritt er nach Amputationen an Gliedmaßen auf, manchmal aber auch beispielsweise im Mund, wo einmal ein Zahn vorhanden war, der gezogen werden musste, weil er nicht mehr zu retten war und nur noch schmerzte. Der Zahn wird also gezogen, aber der Schmerz bleibt. Das kenne ich nur zu gut.

Schuld daran ist das so genannte Schmerzgedächtnis. Es entwickelt sich, wenn sich das Nervensystem durch die dauerhaften  Schmerzen mit der Zeit verändert. Die Nervenzellen sind irgendwann überreizt und schicken pausenlos entsprechende Impulse an das Gehirn. So wie die Struktur des Gehirns veränderbar ist (Plastizität), hat auch unser Nervensystem die Fähigkeit dazu. Das Dumme ist, die Schmerzursache ist schon längst beseitigt, aber der nun dauerhafte Schmerz hat sich verselbstständigt und plagt uns weiterhin.

Bei der Fibromyalgie ist die Schmerztoleranz stark vermindert und der ganze Körper ist extrem schmerzempfindlich. Auch hier kann eine gut abgestimmte Therapie Linderung bringen.

Grundsätzlich gilt es, die Ursache für das Schmerzempfinden schnell zu beseitigen, wenn das nicht möglich ist oder längere Zeit in Anpruch nimmt, sollten wenigstens die Schmerzen durch eine angemessene Medikation angegangen werden. Je länger die Schmerzen bestehen, desto größer ist die Gefahr, dass sich ein Schmerzgedächtnis entwickelt und sie chronisch werden. Eine “ein Indianer kennt keinen Schmerz” Einstellung beschert dann schon mal ein chronisches Schmerzsyndrom  und das wird man nur schwer wieder los, wenn überhaupt.

Eine Schmerztherapie setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Nur eine ganzheitliche Therapie für Körper, Geist und Seele bringt auf Dauer Erfolg. Der Mensch ist ein “dreiteiliges Wesen”. Chronische Schmerzen wirken sich nicht nur auf den Körper aus, er stellt auch immer eine große psychische Belastung dar und auch die Seele leidet. Großer Stress, Probleme,  schlechte Lebensumstände und Überlastung in verschiedenen Bereichen verstärken die Schmerzen zusätzlich.

Es gibt unendlich viele Schmerzmittel die unterschiedlich bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt werden können. Auch manuelle Techniken wie z.B. Kranken- oder Aquagymnastik, sorgen auf der körperlichen Ebene für Erleichterung, sind aber auf keinen Fall ausreichend. Es gibt eine relativ neue Behandlungsmöglichkeit die besonders gut bei Phantomschmerzen in fehlenden Gliedmaßen einsetzbar ist.

Es handelt sich um die Spiegeltherapie. Dabei wird mittels eines Spiegels dem Gehirn “vorgegaukelt”, dass beide Gliedmaßen vorhanden sind. Der Patient hat beispielsweise Schmerzen im linken Arm, der aber gar nicht mehr da ist. Platziert man den Spiegel nun so, dass der vorhandene Arm sich dort spiegelt, glaubt der Denkapparat, den fehlenden Arm zu sehen und nimmt dieses Bild als wahr an. Unser Gehirn, insbesondere das Unterbewusstsein, macht keinen Unterschied zwischen Bildern und tatsächlichen Gegebenheiten. Darum funktioniert auch das Visualisieren von gewünschten Gegenständen, Umständen usw.. Alles, was wir uns vorstellen können, kann sich in unserer Wirklichkeit manifestieren.

Führt der Patient nun bestimmte Übungen aus, glaubt das Gehirn, er täte das eben mit dem fehlenden Körperteil. Dieses Spiegelverfahren wird auch bei Menschen, die zwar noch alle Extremitäten haben, diese jedoch gelähmt oder in irgendeiner Weise in der Bewegung eingeschränkt sind, angewandt. Auch in diesem Bereich hat sich diese Behandlungsmethode bewährt.

Bei einer anderen Therapie werden direkt die Teile des Gehirns, die für die Schmerzreize zuständig sind, durch Magnetimpulse verändert. Diese transkranielle Magnetstimulation (TMS) zeigt auch bei “normalen” chronischen Schmerzzuständen gute Erfolge. Die Deutsche Schmerzhilfe e.V., bietet nicht nur viele Infos, Selbsthilfegruppen, Veranstaltungen usw. an. Auf der Seite können sich auch Betroffene für eine Studie mit Aufwandsentschädigung eintragen, bei der es eben um diese besonderen Therapieformen geht.

Der Mensch in seiner Ganzheit profitiert erheblich von Entspannung. Sie wirkt erwiesenermaßen schmerzlindernd und stressabbauend. Ob man die Meditation wählt, eine Entspannungstechnik (Autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobsen) erlernt oder lieber eine der asiatischen “Techniken”  (Yoga, Qi-Gong usw.) ausprobiert, entscheidend ist, überhaupt etwas in diesem Bereich für sich zu tun.

Eine Hypnose-Therapie  stellt eine weitere, sehr umfassende  Möglichkeit dar, gegen die chronischen Schmerzen vorzugehen. Bachblüten, Homöopathie, Akupunktur und zahlreiche weitere Alternativen zu rein schulmedizinischen Therapieformen können ebenfalls einen positiven Effekt haben.

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